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Der Klang meines Körpers

In Würzburg fehle eine niedrigschwellige Beratungsstelle für Betroffene mit Essstörungen, sagt Stefanie Greß von der Suchtpräventionsfachstelle der Diakonie Würzburg. Und dies, obwohl der Bedarf groß sei. Eine Ausstellung soll nun für die Schüler des MatthiasGrünewaldGymnasiums Abhilfe schaffen. Das Projekt „Der Klang meines Körpers“ will mit kreativen und interaktiven Mitteln auf das Thema EssStörung aufmerksam machen. Dafür wurde es 2007 mit dem Bayerischen Gesundheits und Präventionspreis ausgezeichnet. Nun ist die mobile Ausstellung des Projekts in der Schule zu Gast. Die 7. und 8. Klassen des Gymnasiums werden in das Thema eingeführt.

Bei etwa einem Fünftel aller 11 bis 17Jährigen in Deutschland liegt laut dem Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ein Verdacht auf eine Essstörung vor. Bei jedem dritten Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren gibt es Hinweise auf ein gestörtes Essverhalten. „Die Betroffenen werden immer jünger“, sagt Greß. Dies sei alarmierend.

Vermehrt leiden auch Jungen unter einem gestörten Körperbewusstsein und Essverhalten. Während sich dies bei Mädchen vor allem in Magersucht, Bulimie oder Esssucht ausdrückt, leiden die Jungs unter Muskelwahn, der sogenannten „Biggerrexie“. Im deutschsprachigen Raum wird diese Störung auch als AdonisKomplex bezeichnet. Auch muskulöse Männer erachten sich dabei als zu schmächtig und versuchen, ihren Körper mit extensivem Sport und bewusster Ernährung weiter zu formen. Werbung gibt Stereotypen vor. Im Projekt „Der Klang meines Körpers“ werden deshalb Jungen getrennt von den Mädchen angegangen. Sie diskutieren die Frage „Wann ist ein Mann ein Mann?“ Eine tiefe Stimme, Selbstbewusstsein und Muskelmasse würden einen Mann ausmachen, sind sich die 7. und 8. Klässler schnell einig.

„Gesellschaft und Werbung geben uns derartige Ideale und Stereotypen vor“, sagt Greß. „Diese gilt es zu hinterfragen.“ Mit der Ausstellung im MathiasGrünewaldGymnasium will sie genau das erreichen. Mittels Musik, Bildern und Erfahrungsberichten bringt sie den rund 200 Schülerinnen und Schülern das Thema Essstörungen näher. „Die Kinder sollen nicht schockierenden Bilder abgeschreckt werden, sondern verstehen, welche Probleme hinter einer Essstörung stecken können“, sagt sie.

Auch die Eltern wurden vorab in einem Elternabend informiert. Greß bedauert, dass gerade Eltern das Thema nach wie vor oft tabuisieren. Dabei sei die Früherkennung zentral, um die Krankheit zu besiegen.

„Zwar steigen die Zahlen an Betroffenen in Würzburg nicht an“, sagt Greß. Das Problem sei jedoch latent vorhanden, weshalb sie die Präventionsarbeit in diesem Bereich vertiefen will.

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