Springen Sie direkt: Zum Textanfang (Navigation überspringen) Zur Hauptnavigation Zur Volltextsuche Zur Unternavigation Zu den Funktionen Drucken, Nach Oben, Empfehlen am Seitenende Seitenanfang
Ich suche Hilfe

Einmal einen echten Vulkan sehen

Vulkane faszinieren Janine. Ganz Ohr war die 15-Jährige, als sie in ihrer Klasse in der Wichern-Schule der Evangelischen Kinder-, Jugend- und Familienhilfe (EKJFH) hörte, wie es dazu kommt, dass ein Vulkan ausbricht. Am liebsten würde sie einmal einen echten Vulkan sehen. Zum Beispiel den Vesuv. Dieser Wunsch erfüllt sich nun für die Jugendliche. Zusammen mit sieben Klassenkameraden bricht sie am Sonntag nach Italien auf. Das ist ungewöhnlich: Noch nie zuvor fuhr eine Klasse der Wichern-Schule gemeinsam weg.

Die Würzburger Wichern-Schule ist eine private Schule für Kranke. Hier werden Kinder und Jugendliche unterrichtet, die längere Zeit in einem Würzburger Krankenhaus verbringen müssen oder die, wie Janine, in einer stationären Wohngruppe der Evangelischen Kinder-, Jugend- und Familienhilfe leben und aktuell keine andere Schule besuchen können. Vor zehn Jahren wurde die Schule gegründet. Die Klassenfahrt, die sich Janine so sehr gewünscht hatte, ist eine Art Geburtstagsgeschenk der Schule an die Schüler.

Dass die Fahrt zustande kam, ist Janine zu verdanken. Die setzte sich eines Tages im März nach dem Unterricht an den Schreibtisch ihres Zimmers und schrieb an den stellv. Schulleiter Wolfgang Beckmann, wie klasse es wäre, einmal einen Vulkan und einmal Pompeji zu sehen. „Ich hatte gar nicht damit gerechnet, dass das genehmigt wird“, gibt die Jugendliche zu. Doch Wolfgang Beckmann fand die Initiative der Schülerin großartig. Er gab prompt sein Okay zu der aufregenden Premiere.

Claudia Schönitz und Michaela Weingart, die beiden Klassenlehrerinnen, werden die achtköpfige Gruppe begleiten. Allein die Busfahrt nach Süditalien, die 19 Stunden dauert, wird eine Herausforderung darstellen - vor allem für jene Schüler, die an ADHS leiden und deshalb nur schwer stillsitzen können. Doch alle wollen mit. Alle wollen den Vesuv und Pompeji sehen, durch die mysteriösen Katakomben von Neapel streifen und sich bei Sorrent am Strand in der Sonne aalen.

Logisch, dass sich der Unterricht in den vergangenen Wochen häufig um Italien drehte. Die 13- bis 16-Jährigen aus der „Großklasse“ der Wichern-Schule lernten exotisches buntes Vulkangestein wie Covellina, Zolfo und Pomice kennen. Sie studierten die Landkarte und erfuhren, welche Städte sich an Italiens Küste und welche sich im Landesinneren befinden. In Italien, haben sie schließlich erfahren, wurde früher mit Lire bezahlt. Heute jedoch reicht man der Verkäuferin an der Kasse des Supermarkts ganz genauso wie hier in Deutschland Euro rüber.Im Deutschunterricht wurde die Geschichte „Das Leben der Kinder von Pompeji“ gelesen. Außerdem bastelten die Schüler papierne Vulkane. Natürlich schafften sie sich auch einige Vokabeln drauf. „Ciao“, „Buon Giorno“ und „Gelati“ geht inzwischen schon ganz flüssig über die Lippen.

Die Klassenfahrt nach Italien ist für die Wichern-Schule nicht zuletzt deshalb von Bedeutung, weil sie sehr gut an die pädagogischen Prinzipien der Bildungseinrichtung andockt. Kinder und Jugendliche, die aus unterschiedlichen Gründen in ihrer Herkunftsfamilie nicht glücklich und geborgen waren und deshalb für kürzere oder längere Zeit in Wohngruppen der EKFJH leben, sollen in der Schule Wertschätzung erfahren. Die genehmigte Klassenfahrt zollt den jungen Menschen Anerkennung für all das, was sie trotz ihrer persönlichen Schwierigkeiten in diesem Schuljahr schon alles geleistet haben.

Diese acht Schülerinnen und Schüler aus der vor zehn Jahren gegründeten Wichern-Schule sind die ersten, die gemeinsam auf eine Klassenfahrt gehen werden. Bild: Wolfgang Beckmann

Dieser Brief von Janine gab den Anstoß dafür, dass die Wichern-Schule eine Italien-Fahrt für acht Jugendliche organisierte.

abstandshalter
Icon: Schrift vergrößern
Icon: Schrift verkleinern
SCHRIFT: